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Geheim, vertraulich, verschwiegen


Freimaurer gelten als verschwiegen (das stimmt), manchmal sogar als "Geheimgesellschaft" (das stimmt nicht). Doch warum eigentlich? Wenn es uns Freimaurern wirklich nur um Charakterbildung geht und darum, uns selbst zu besseren Menschen zu formen – warum machen wir dann so ein Geheimnis um unser Tun?


Darauf gibt es mehr als eine Antwort. Schauen wir uns ein paar an!


Der Ursprung

Auch wenn sich heute nicht mehr ganz klären lässt, wie, wo und wann Freimaurerei entstand: Die Steinmetz-Hütten des Spätmittelalters und der frühen Neuzeit boten die Grundlage. Der Schutz von Berufsgeheimnissen und das Verwenden von Symbolen, die nur Eingeweihten bekannt waren – das war damals bei vielen Handwerken gang und gäbe. Gerade bei nicht niedergelassenen Handwerkern, wie es die Steinmetze waren, musste man sich ja auch in der Fremde als Meister, Geselle oder Lehrling ausweisen können.

Übrigens: Das Wort "geheim" wurde früher auch dort verwendet, wo wir heute "privat" sagen. (Dieses Wort wurde erst später aus dem Französischen ins Deutsche übernommen). Mit "Geheimgesellschaften", damals ein Modebegriff, waren also private, nicht-öffentliche Versammlungen gemeint. Das verschwörerisch-raunende, das in dem Begriff heute mitschwingt, ist also erst nachträglich dazugekommen.


Geheimhaltung als Schutz

Freimaurerei gibt es institutionalisiert seit über dreihundert Jahren und in lockererer Form wahrscheinlich schon etwas länger. Heute leben wir in einer freiheitlichen Demokratie: Wahlrecht, Meinungsfreiheit, Rechtsstaat scheinen uns selbstverständlich, aber das war nicht immer so. Die meiste Zeit waren freimaurerische Ideale wie Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Menschlichkeit eben nicht etabliert und wer sie vertrat, stellte sich mehr oder weniger offen gegen das bestehende System. Seien es absolutistische Regime, totalitäre Diktaturen von links oder rechts, oder über lange Jahrhunderte auch die katholische Kirche – Freimaurerei wurde mit anderen libertären Denkrichtungen verboten, verfolgt und unterdrückt. Über mehrere Jahrhunderte diente die Geheimhaltung als ganz konkreter Schutz vor immer möglicher Repression.


Verschwiegenheit als Grundlage von Vertrauen

Das Arbeiten an der eigenen Persönlichkeit – wir sagen: am rauen Stein – ist der eigentliche Kern der Freimaurerei. Und das tun wir zwar jeder für sich, aber in Gemeinschaft. Klingt paradox, gemeint ist: Jeder arbeitet an sich selbst. Es gibt keine Patentrezepte, die für alle gelten. Aber es gibt Gemeinschaft, Austausch, Verständnis füreinander. Heute könnte man sagen: Eine "Community" und einen "Safe Space". Das braucht Vertrauen. Gerade, wenn es persönlich wird, wenn man mit Brüdern zum Beispiel über Schwächen, Misserfolge oder Sorgen spricht. Das sichere Wissen, dass alles vertraulich bleibt, ist hierfür eine unbedingt notwendige Grundlage.


Erfahrungen ermöglichen

Symbole und Rituale sind aus der freimaurerischen Arbeit nicht wegzudenken. Gerade die Rituale gilt es zu schützen: Zum einen, um sie vor einer Vermarktung als Gruselspektakel zu bewahren; zum anderen, weil das Nicht-Wissen ein wesentlicher Aspekt unserer Aufnahmerituale ist. Sich auf das Unbekannte einzulassen, Mut und Vertrauen zu fassen – das ist eine Schwelle, die man überschreiten muss, um in Tempel und Bruderkette Einlass zu finden. Ähnlich wie ein spannender Film oder ein gutes Buch an Wirkung verliert, wenn man das Ende bereits kennt, würde zu viel Vorwissen die unmittelbare Erfahrung für den neu aufgenommenen Bruder schmälern. Wir verraten also auch deshalb nichts Genaueres über unser Ritual, um diese Erfahrung für zukünftige Brüder zu bewahren.


Nachteile

Mal ganz ehrlich: So richtig praktisch ist das mit der Arkandisziplin, wie wir sagen, nicht. Der Nimbus des Mysteriösen mag reizvoll sein, aber praktisch ist er selten. Manchmal wäre es wünschenswert, unsinnigen Spekulationen oder falschen Vorwürfen mit mehr Offenheit begegnen zu können. Und natürlich ist es in den Jahrhunderten auch zu Fällen gekommen, in denen die Geheimhaltung ausgenutzt wurde für unrechtmäßige Bereicherung oder Vorteilsnahme. Um es ganz deutlich zu sagen: Das ist nicht der Zweck und hat mit Freimaurerei nichts zu tun. Wir stellen deshalb bei jedem Aufnahmeantrag klar: Wer beruflichen oder finanziellen Vorteil sucht, der ist bei uns fehl am Platz.


Doch nicht so geheim

Ganz so geheim sind wir also nicht. Immerhin lesen Sie diesen Text gerade auf unserer Website. Und wer uns wirklich kennenlernen möchte, ist herzlich eingeladen, uns bei einem Gästeabend zu besuchen – und selbst Fragen zu stellen.



 
 
 

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